Krautpacken - Kräuterwanderung
(17.08.2002)
Am Samstag, 17.08.02 fand wieder die Kräuterwanderung
der SGV-Abteilung Arnsberg unter der fachkundigen Leitung von Anneliese und
Hubert Herting statt. In diesem Jahr wurde hier ein kleines Jubiläum begangen:
Berits zum zehnten Mal fand diese Veranstaltung statt.
Am frühen Nachmittag trafen sich über 20 Interessierte, darunter
erfreulicherweise auch viele Kinder, bei herrlichstem Sommerwetter am Parkplatz
Jägerhaus. Von dort fuhr man dann auf den Spreiberg nach Müschede, wo auf
einem ehemaligen Truppenübungsplatz ideale Voraussetzungen zum Sammeln
von Kräutern bestehen. Anneliese und
Hubert Herting versanden es wieder ausgezeichnet, ihren Zuhörern mit einigen
Geschichten und Anekdoten, aber auch mit vielen Informationen zu den einzelnen
Pflanzen die heimischen Käuter etwas näher zu bringen.
Zum Abschluss der Wanderung wurden dann die gesammelten Kräuter zu
wunderschönen Sträußen gebunden, die jetzt für die nächste Zeit die Wohnungen
der Wanderer schmücken werden.
Für alle, die diesen Brauch des Kräutersammelns und -weihens noch nicht kennen, hier einige Informationen:
Der Krautpacken
Die Weihe der Heilkräuter des Krautpackens am Fest Maria
Himmelfahrt ist vielen von uns noch eine Erinnerung aus der Kinderzeit. Doch
dieser Brauch und dieses Fest gehen bis in das 7. Jahrhundert zurück und stammt
aus dem Orient. Papst Sergius I. soll es schon feierlich begangen haben.
Kräuter spielten schon von jeher eine große Rolle. Sie dienten den Menschen
in früherer Zeit als tägliche Nahrung, wodurch sie die nützlichen und
schädlichen Wirkungen kennen lernten. Sie merkten, dass Kräutertee eine
heilende Kraft hat.
Wie es nun mal in früherer Zeit war, glaubte der Mensch an gute und böse Dämonen,
die ihm Gesundheit oder Krankheit durch die Kräuter beseelte. Somit war man in
vorchristlicher Zeit bemüht, die Kräuter, die als Nahrung oder zum Würzen
dienten, zu weihen.
Wie entstand nun der Name Krautpacken?
In früherer Zeit bestand er aus ca. 64 Kräutern verschiedener Art. Es wurde so
ein dicker Bund, dass man ihn mit beiden Händen packen musste.
Leider ist die Kenntnis über die Heilkräuter nicht mehr all zu groß, da in
der Vergangenheit die Chemie sehr viel vernichtet hat. Auch ist der Mensch nicht
mehr so mit der Scholle verwurzelt und findet kaum noch Zeit, sich mit solchen
Dingen zu beschäftigen. Daher ist es dringend an der Zeit, die Heilkräuter
wieder kennen zu lernen und zu schützen, um unseren Kindern und Enkelkindern
diese Kenntnisse zu übermitteln..
Dank des Stops mit der Chemiespritze stehen wieder viele Kräuter an Wegrändern
und auf Wiesen. Wer Gelegenheit hat, sollt sie auch wieder in unseren Gärten
heimisch werden lassen.
Früher war der Krautpacken oder der Krautbund die Hausapotheke und auch
Abschreckmittel gegen allerlei Unbilden für Mensch, Vieh und Hof. Es ist nicht
wichtig, wie viele Kräuter nun in so einem Krautpacken eingebunden werden, da
es von Gemeinde zu Gemeinde verschieden ist
- die Hauptsache ist, der
alte Brauch lebt weiter.
Der Krautbund sollte nach der Weihe auch nicht achtlos weggeworfen werden,
sondern er wird luftig und schattig aufgehängt, damit das Wasser verdunsten
kann, die Inhaltstoffe aber erhalten bleiben. Man verwendet die getrockneten Kräuter
zu Tees oder Kräuterbädern.
Da nun seit längerer Zeit der Brauch des Krautpackens in den umliegenden Dörfern
wieder lebendig geworden ist, haben auch wir in den vergangenen Jahren diesen
Brauch in unserer Stadt mit stetig wachsendem Interesse wieder aufleben lassen.
Die geläufigsten Kräuter unserer Umgebung sind ca. 20 -
30 Arten:
Zinnkraut, Pfefferminze, Frauenmantel, Wasserdost, Dost, Waldweideröschen, Beifuss,
Spitz- und Breitwegerich, Odermennig, Schafgarbe, Hirtentäschel, Labkraut,
Baldrian, Königskerze und noch viele andere mehr.
Um die Flora zu schützen sollte man nach Möglichkeit
nur ein Exemplar jeder Art in den Packen nehmen und die Kräuter mit dem
Messer oder der Schere abschneiden.
Vielleicht hat diese kleine Information geholfen, weitere Freunde am Krautpacken zu finden.
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