Arnsberger Schnadegang
2007
Viele Vereine unterstützen aktiv die Brauchtumspflege
31. August 2007
Schnadegang, das heißt nach alter Sitte,
die Gemarkungsgrenzen abgehen, den Grenzverlauf durch Beschneiden begehbar
erhalten und die Grenzsteine kontrollieren. So war es damals; doch auch heute,
im Zeitalter modernster Katastererfassungen ziehen jährlich viele Gemeinden auf
die Schnade.
In Arnsberg übergab Anfang August der Anglerverein Ruhrwellen, im letzten Jahr
Veranstalter des Schnadeganges das traditionelle Schnadeholz, auf dem alle
ausrichtenden Vereine verewigt werden, an den Ski- und Tennisklub 07. Die
Sportfreunde feiern in diesen Wochen ihr 100-jähriges Bestehen und hatten das
Jubiläum zum Anlass genommen, den Schnadegang auszurichten.
Nachdem der Schnadegang seit 1971 nur von der SGV-Abteilung Arnsberg
durchgeführt wurde, beschloss man vor mehr als zehn Jahren die Veranstaltung auf
eine breitere Basis zu stellen und auch andere lokale Vereine als Ausrichter zu
gewinnen – denn der Schnadegang ist keine Erfindung des SGV sondern wird in
Arnsberg erstmalig im Jahre 1450 erwähnt. Der Versuch gelang und so führten in
den letzten Jahren unter anderen die Feuerwehr, der Kneippverein und der
Kleingärtnerverein mit großer Eigeninitiative und Unterstützung des SGV den
Schnadegang durch.
Nach der offiziellen Begrüßung am Schnade - Samstag durch den STK 07-Vorsitzenden Stefan Hunecke und den Schnadezugführer Gerhard Rath wanderte die Gruppe von rund 60 Schnadegängern durch die Schützenpforte, eines der alten Arnsberger Stadttore, Richtung Gemarkungsgrenze. Durch die Neustadt führte der Weg sie zu Bausen Bank im Hasenwinkel, wo eine kleine Rast stattfand. Danach ging es weiter über den Hopfenberg entlang des östlichen Grenzverlaufs zum ehemaligen Klosterwald. Hier wurden dann auch die ersten Grenzsteine entdeckt.
Doch zum Glück haben sich die Zeiten seit damals geändert. Früher war das Verbrechen des Landfrevels weit verbreitet und nicht selten fand man mutwillig versetzte Grenzsteine vor. Die Gerichtsbarkeit trat zusammen und verurteilte die Täter bei einem Ortstermin am Grenzstein. Auf das Kommando des Landvogten „Man greife ihn und setze ihn“ wurde er von den Landsknechten gepackt und mit seinem Hinterteil so heftig auf den Stein gestoßen, dass er sich den wahren Platz des Steines für immer merken möge. Aber trotz allem wird auch heute noch im Sauerland gepohläst, allerdings erschallt der Spruch „Man greife ihn und setze ihn“ in freundlichem Ton und gepohläst werden die Neulinge der Gemeinde oder besondere Personen. „So kann sich jeder gepohläste heute geehrt anstatt bestraft fühlen,“ erklärt Gerhard Rath. In Arnsberg traf es in diesem Jahr Hans-Heinz Wunderlich und Alfons Ziganki vom STK 07, doch die „Landsknechte“ hatten danach noch nicht genug und pohlästen auch noch Winnie Leberke und Elvira Eberhard auf den Grenzstein Nummer 58 am westlichen krummen Weg in Arnsbergs Forstabteilung 24 A. Natürlich aber wurde keiner ernsthaft verletzt und so erreichten die Wanderer nach gut 2,5 Stunden und 6 km das Ziel, das STK-Vereinsheim im Hellefelder Bachtal. Dort erhielten die „Gepohlästen“ Urkunden und der Ausrichter des Schnadeganges 2008 wurde bekannt gegeben. Im nächsten Jahr wird die Bürgerschützengesellschaft Arnsberg anlässlich der 400-Jahr Feiern den Schnadegang ausrichten. Und, so Gerhard Rath „die Warteliste ist lang, schon jetzt sind die nächsten Jahre teilweise ausgebucht.“ Doch damit erfüllt sich auch der Wunsch der SGV-Abteilung Arnsberg: dass die althergebrachte Tradition erhalten bleibt und sich in den nächsten Jahren noch viele Vereine bereit erklären den Schnadegang auszurichten und so die heimische Brauchtumspflege zu unterstützen.
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