Ernst Sluet
Ernst
Sluet wurde am 28. Mai1883 in Burgsteinfurt im Münsterland geboren.
Nach seiner Schulausbildung fand er seine berufliche Erfüllung in den
Rechtswissenschaften und der Juristik.
Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn war er zunächst in Burgsteinfurt, später
dann in Rheine und Dortmund tätig. Im Jahre 1910 kam Ernst Sluet ins Sauerland.
Hier in Arnsberg, dass ihm sehr schnell zu neuen Heimat wurde, lernte er die
noch junge, aber sich rasch entwickelnde Wanderbewegung kennen, die von Ernst
Ehmsen und seinem engsten Mitstreiter Feaux deLacroix rund 20 Jahre vorher ins
Leben gerufen worden war. Die
Natur und die weiten Wälder des Sauerlandes boten ihm einen idealen
Ausgleich für seine Tätigkeit bei der Arnsberger Amtsanwaltschaft.
Im Jahre 1927 wurde Ernst Sluet, der mittlerweile zum Justiz – Obersekretär befördert worden war, als Nachfolger von Peter Kahle, Vorsitzender der SGV Abteilung Arnsberg. Sein Stellvertreter damals war Heinrich Ebeler. Schon nach einem Jahr fand seine Tätigkeit als Vorsitzender einen Höhepunkt in der Einweihung des Löcketurms auf der Wichelner Höhe am 4. Juli 1928.Man ehrte damit den langjährigen Bürgermeister der Stadt Arnsberg, SGV-Abteilungs- und Hauptvorsitzenden Max Löcke, der schon mit 28 Jahren Bürgermeister wurde und 41 Jahre die Geschicke unserer Stadt leitete.
Ernst
Sluet wurde in den 30er Jahren zum Amtsanwalt und schließlich am 01. Oktober
1942 – mitten im 2. Weltkrieg – zum Oberamtsanwalt befördert. So wie der
damalige Hauptvorsitzende des SGV, Karl E. Dellenbusch, der ihn in den
Hauptvorstand berief, war auch Sluet Nationalsozialist. Beide aber waren nach
der offiziellen Gleichschaltung der Wandervereine (1933) bestrebt, diesen im
inneren Geschehen (Wanden, Naturschutz, Brauchtumspflege) möglichst viel
Selbstständigkeit zu erhalten. Dem „von oben“ angestrebten Aufgehen der
Wandervereine in den Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) haben die sich
erfolgreich widersetzt.
Ein heute 92-jähriger Zeitzeuge (kein Nazi) erinnert sich: "Sluet war
ein energischer, zielstrebiger, aber auch freundlicher und geselliger Mensch.
Ich glaube nicht, dass er aus politischen Gründen bewusst anderen Schaden
zugefügt hat."
Bis 1945 blieb er Vorsitzender der Abteilung Arnsberg. Sein Nachfolger wurde
Paul Jochheim.
Zahlreiche
neue Mitglieder hat er in dieser Zeit für die „moderne“ Freizeitgestaltung
gewinnen können. Er war so mit Leib und Seele SGVer, dass viele Arnsberger die
drei Buchstaben des Vereines neu deuteten als:
Sluet - geht - voran !!
Ach ja, wie es in Arnsberg üblich ist, bekam auch er einen Spitznamen.
„Flott“ nannte man ihn, wohl aufgrund seiner weit ausholenden und somit gefürchteten
Wanderschritte, die er, stets im grünen Lodenmantel und mit festen
Wickelgamaschen, in die Sauerländer Landschaft setzte.
Doch nicht nur auf lokaler Ebene stellte er sich in den Dienst der guten Sache. Schnell wurde man auch im Bezirks- und Hauptvorstand auf diesen engagierten SGVer aufmerksam. Am 7. Oktober 1933 wurde Ernst Sluet in den engeren Hauptvorstand des SGV berufen. Hier war er zunächst bis 1948 tätig; dann nochmals von 1951 – 1957 als Werbe- /Pressewart.
Am 1. Juli 1949 trat Ernst Sluet nach 48 Jahren im Staatsdienst in den wohlverdienten Ruhestand. Doch nicht nur der Hauptverein, auch die Abteilung holte ihn sich zurück. Von 1952 an war Ernst Sluet wieder Abteilungsvorsitzender in Arnsberg. Sein schönster Nachkriegserfolg war das Gebirgsfest 1951 in Arnsberg, dass weitestgehend auf seinem Einsatz beruhte.
Aber
auch außerhalb Arnsbergs stellte er seine Freizeit unter das Zeichen der drei
Eichenblätter. So gelang es diesem mitreißenden Redner SGV – Abteilungen im
Hochsauerland, die in den Kriegs- und Nachkriegswirren zum Erliegen gekommen
waren, darunter auch Winterberg und Medebach, wieder zu einem Neuanfang zu
bewegen.
Als er 1959 sein Amt aus Altersgründen niederlegte, wählte man nicht nur Willi
Klasmeier zu seinem Nachfolger, sondern auch einstimmig Ernst Sluet zum
Ehrenvorsitzenden der Abteilung Arnsberg, der er dann noch 4 Jahre als
stellvertretender Vorsitzender diente.
Doch jetzt war es an der Zeit, dass auch ihm eine besondere Ehre zu Teil werden sollte. Der damalige „Rumbecker Pfad“ (Hellefelder Straße – Hasenwinkel – Taubeneiche – Rumbeck) wurde mit seinem Ausgangspunkt in den Hasenwinkel verlegt und am 21. November 1961 feierlich als Ernst – Sluet – Weg eingeweiht.
Am
28. Januar 1963 verstarb Ernst Sluet im Alter von fast 80 Jahren.
Sein Nachruf in der Westfalenpost und der Westfälischen Rundschau am 30. Januar
1963 lautete:
|
Am 28. Januar 1963 verstarb unser Ehrenvorsitzender und langjähriger Vorsitzender Ernst Sluet Ein halbes Jahrhundert war er ein nimmermüder
Streiter im Dienst Sauerländischer
Gebirgsverein Klasmeier, Vorsitzender |
Am
Donnerstag, 31.01.1963 wurde der Mann, dem seine Sauerländer Heimat und alles
was ihr dienen konnte, stets am Herzen lag, von SGVer Wanderfreunden zu Grabe
getragen. Bei der Trauerfeier in der Auferstehungskirche sprachen Superintendent
Werner Phillipps, später am Grab der Bezirksvorsitzende, Oberregierungsrat Dr.
Otmar Lenze sowie der Abteilungsvorsitzende und Kreisamtmann Willi Klasmeier
Worte des Dankes und der Anerkennung.
Auf dem Eichholzfriedhof fand Ernst Sluet in seiner geliebten Sauerländer Erde
seine letzte Ruhestätte.
Einige Jahre später stellte man an „seinem“ Weg im Hasenwinkel, genau an der Stelle, wo er so gern gerastet und auf die Stadt geblickt hatte, die ihm zur Heimat geworden war, einen schweren Findling als Gedenkstein auf.
Gerhard Rath /
Wolfgang Frank
April 2002
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